Ines öffnete den Mund, aber es kam kein Ton heraus. Am liebsten wäre sie einfach weggelaufen, aber nicht einmal das wagte sie. Wie dumm sie gewesen war, zu glauben, dass sich für sie jemals irgendetwas ändern würde.

Josy ist schön, klug und beliebt. Gemeinsam mit ihren drei Freundinnen gibt sie in ihrer Schule den Ton an. Wen die Clique nicht leiden kann, der hat nichts zu lachen.

Ines dagegen hasst ihr Leben. Den heruntergekommenen Bauernhof, auf dem sie mit ihrer versoffenen Mutter und deren ständig wechselnden Freunden lebt. Ihr unscheinbares, plumpes Äußeres. Den täglichen Spießrutenlauf in der Schule.

Aber als ein tragischer Unfall geschieht, ändern sich die Rollen. Und Ines wird klar, dass sie ohne Josy nicht mehr leben kann.

„Ines sah sich in ihrem Zimmer um als sähe sie es zum ersten Mal: die wellige, an vielen Stellen von Rissen durchsetzte Raufastertapete mit dem blassgelben Anstrich, den hässlichen Boden, die losen Fußleisten, die aus irgendeinem Grund nicht bis in die Ecken reichten, den rostigen Heizkörper, ihre abgestoßenen Möbel, denen man ansah, wie billig sie gewesen waren.

Sie war noch immer sauer auf Josy. Diese abfällige Bemerkung von vorhin, als Ines ihr erklärt hatte, dass Sabrina ihre Blutsschwester war, klang ihr noch immer in den Ohren. Josy hatte doch keine Ahnung. Kein Wunder, wenn man sich die arroganten Zicken so ansah, mit denen sie zusammen war.

Sie alle – Josy eingeschlossen – verdienten das Leben, da sie führten, gar nicht. Manche von ihnen, so dachte Ines voller Bitterkeit, verdienten überhaupt nicht zu leben.

Zickenjagd

Taschenbuch

268 Seiten

ISBN: 978-3401064147

Würzburg: Arena

2010

Meinungen

Isabel Mühlauf (Jg. 1997) in der Hersfelder Zeitung
Ich hatte sogar beim Lesen kalte Hände bekommen.
Feenzauberbuchnews
Das Buch ist verdammt gut. Feenzauberbuchnews