… Milena war, als wäre es plötzlich dunkler geworden im Raum. Vor dem Fenster waren die Umrisse von zwei Köpfen zu sehen. Keine menschlichen Köpfe …

Ein halbes Jahr nach dem Abitur trifft sich die alte Clique auf einer einsamen Berghütte wieder. Milena, die gerade Liebeskummer hat, ist froh, die alten Freunde wiederzusehen.

Am Abend sitzen sie zusammen am Feuer und es kommen Geschichten ans Licht, die Milena am liebsten vergessen hätte. Und es schneit und schneit … Bald sind sie völlig isoliert und umgeben von nichts als Schnee. Den ersten gehen die Nerven durch. Milenas Freundin Carlotta versucht, auf eigene Faust ins Tal zu kommen. – Ein fataler Fehler. Den Dagebliebenen macht ein unheimliches Wesen Angst, das angeblich in den Wäldern leben soll. Ein Gruselmärchen? Oder ist doch etwas dran? Ein toter Hase liegt am Morgen blutend vor der Hütte und eine seltsame Spur führt in den Wald.

Mit der Zeit werden aus Freunden Feinde und Milena weiß nicht mehr, wem sie noch trauen kann …

schneeweissblutrot

Schneeweiß, blutrot

Broschur

376 Seiten

ISBN: 978-3401-068459

Würzburg: Arena

2013

Meinungen

Kleine Bücherinsel, Mone
Ein Jugendthriller, der es in sich hat. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.

Milena und ihre Clique planen einen Zurück-zur-Natur-Ausflug über Silvester. Auf einer Jagdhütte in den Schweizer Alpen, die Vincents Onkel gehört, wollen sie ein paar schöne Tage verbringen. Natur pur, ohne Handy, Internet oder sonstigen Alltags-Schnick-Schnack.

Schon der Anstieg zur Hütte birgt seine Gefahren und als noch Schnee fällt ist eine geplante Rückkehr ausgeschlossen. Und dann geschehen unerklärliche Dinge. Diese lassen die psychische Belastung der Einzelnen erhöhen und nach und nach gibt es Spannungen in der Clique. Freunde verschwinden, ein Mord geschieht…Doch wer steckt hinter all dem? Wen kann man noch trauen?

Ehrlich, ich hatte zwischendurch ganz schön Gänsehaut gehabt. Bis zum Schluß gibt es soviele Fährten, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen und nicht nur die Protagonisten verwirrten. Die Verzweiflung von Milena, die bald nicht mehr weiß, was ist jetzt Realität, wen kann sie noch trauen, ist spürbar.

Diese Buch zeigt auch wieder deutlich, dass man Spannung nicht unbedingt mit viel Gewalt erreicht, sondern, dass man auch einen Weg finden kann, der auf die Psyche des Menschen zielt und der genauso Wirkungsvoll ist. Und das auch wenn es ein Jugendthriller ist, kann man ihn sehr gut als Erwachsener lesen.

Die Protagonisten sind alle toll ausgearbeitet und man bekommt ein gutes Gespür wie die „Rangordnung" innerhalb der Clique aussieht.Was die Freunde in dieser extremen Situation über sich erfahren, wie die „Schwächeren" über sich hinauswachsen und wie sie erkennen, dass man seine Freunde doch nicht so gut kennt, wie man denkt, hat mir sehr gut gefallen. Es passte alles und nach und nach fügen sich auch die letzten Puzzelteile logisch zu einem gesamten Bild zusammen. Ich finde es immer ganz schlimm, wenn ein Ende unlogisch und voller offener Fragen ist, doch hier ist das Ende komplett stimmig und nachvollziehbar. Die Spannung ist eigentlich immer vorhanden. In ruhigen Phasen brodelte sie im Untergrund weiter und wartete nur darauf wieder ausbrechen zu können. Der Handlungsort ist so idyllisch beschrieben, dass der Schein trügt. Denn in der Ruhe und Abgeschiedenheit geht es ganz schön unheimlich zu.

Claudias Bücherregal
„like ice in the sunshine!" Eine willkommene Abwechslung, von der man immer mehr will. Nach dem Abi hat sich Milenas Clique in alle Winde verstreut. Da passt es doch wie die Faust aufs Auge, dass einer ihrer Freunde die ganze Clique auf die Berghütte seines Onkels einlädt, um dort ein paar Tage über Silvester zusammenzuverbringen, ordentlich zu feiern und nachzuhaken, was jeder Einzelne so in den letzten Monaten getrieben hat. Ein idyllischer Urlaub sollte es jedoch nicht werden. Das wird Milena spätestens klar, nachdem sie eingeschneit sind, ein toter Hase vor der Haustür gefunden wurde und der erste aus ihrer Clique nach einer Erkundungstour nicht mehr zurückkehrt ist.

In Deutschland herrscht gerade Hochsommer mit Temperaturen von über 30° Grad und da kommt dieser Jugendthriller als Abkühlung gerade recht. Obwohl ich zurzeit nicht einmal eine Schönwetter-Wolke am Himmel sehe, geschweige denn eine Schneeflocke, konnte ich mir das Schneeszenario sehr gut vorstellen. Susanne Mischke beschreibt die Umgebung um die Berghütte sehr anschaulich, so dass ich die Isolation der Charaktere, die Schluchten und Abhänge, sowie die Schneemassen bildlich vor mir sah. Neben dem Winterfeeling konnte die Autorin aber auch ein Gruselfeeling erzeugen, denn ein toter Hase vor der Haustür, merkwürdige Kreaturen vor dem Fenster und ein Schneesturm, der die jungen Erwachsenen von der Außenwelt abschneidet, sorgen durchaus für spannende Unterhaltung..

Das Szenario (eine Gruppe junger Erwachsener ist in einer einsamen Berghütte gefangen) ist nicht neu, trotzdem bietet dieses Setting, welches an die Agatha Christie Romane erinnert, immer wieder Potential. Es liegt am Schriftsteller daraus eine interessante Geschichte zu spinnen und dieses ist Mischke gelungen. Milena ist die Protagonistin des Romans. Die Autorin hat daher den Fokus des auktorialen Erzählers auf die junge Frau gelegt, aber auch die anderen Figuren kommen nicht zu kurz. Somit habe ich ausreichend Informationen über die Clique erhalten, um mir ein Bild von ihnen machen zu können. Der Roman besitzt keine langweiligen Passagen. In der Truppe ist sofort eine gewisse Spannung zu spüren, die sich durch den Schneesturm, Essensmangel und unvorhergesehene Ereignisse immer weiter steigert und nach kurzer Zeit bereits das Leben einiger Figuren bedroht. Die Auflösung des Thrillers hat mir sehr gefallen, da ich im Zusammenhang mit der Geschichte überhaupt nicht auf diese Idee gekommen war und die Autorin mich somit überraschen konnte.

Fazit: Ein toller Schreibstil, ein gelungenes Motiv und reichlich Spannung sorgen für einen gelungenen Jugendthriller mit Winterfeeling – selbst bei einer aktuellen Temperatur von über 30° Grad. Das Buch ist also „like ice in the sunshine" – eine willkommene Abkühlung, von der man immer mehr will.