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Plakat Theater malters: Die kalte Sophie Die kalte Sophie
Die Theatergesellschaft Malters, ein über 150 Jahre bestehendes Amateur-Theater vor den Toren Luzerns, hatte für die Saison 2005 ehrgeizige Pläne. Einen Krimi wollten sie auf die Bühne bringen. Kein angestaubtes Agatha-Christie-Stück oder ähnliches, sondern einen modernen Stoff, bei dem ausserdem viele Frauen mitspielen könnten.
Mit dieser Aufgabe beauftragte der finanzkräftige Verein einen echten Profi-Regisseur: Jean-Paul Anderhub, der auf viele Inszenierungen an zahlreichen großen Bühnen in Deutschland und in der Schweiz verweisen kann.

Von all dem hatte ich natürlich keine Ahnung.

Für mich fing die Sache im Frühjahr 2004 mit einer E-mail an. Ein gewisser Jean-Paul Anderhub, Theaterregisseur aus Luzern war über Internetrecherchen zumThema „Krimi“ und „Frauen“ auf den „Frauenkrimipreis“ der Stadt Wiesbaden und damit auf meinen Namen gestoßen.
Er stellte mir sein Anliegen vor und fragte an, ob sich einer meiner Romane für die Bühne eignen würde.
Regiearbeit eines Profis mit Amateuren an einem noch nie gespielten, ja noch nicht einmal in Bühnenfassung vorliegenden Stoff. Ein Spinner, dachte ich, und schlug diesem seltsamen Herrn Anderhub die Lektüre meines Romans „Die Eisheilige“ vor.
Ehrlich gesagt, ich glaubte nicht dran, je wieder von ihm zu hören.

Doch zwei Monate später saßen wir zusammen in meinem Wohnzimmer und wühlten uns durch die erste Textversion.
Für mich war es beeindruckend, wie nah sich die Bühnenfassung am Original bewegte. Natürlich musste mit einigen Schauplätzen variiert werden, jedoch wurde der Charakter meiner Figuren nicht verändert, der skurrile Geist und der schwarze Humor, die diesen Roman auszeichnen, kamen im Bühnentext zuweilen noch schärfer zu Tage.

 

„Die kalte Sophie“ sollte das Stück heißen, so wie „Die Eisheilige“ ursprünglich heißen sollte, was aus rechtlichen Gründen leider nicht ging.

Drei Wochen vor der Premiere lernte ich anläßlich einiger „Szenischer Lesungen“ in Luzern und Umgebung einige Schauspieler und den genialen Bühnenbildner Rolf Engler kennen.

Ein Hochsitz und ein präparierter Hirsch Samstags in der Luzerner Fussgängerzone, auf dem „Hirschenplatz“ sollte Aufmerksamkeit erregen und für das Stück werben. Das gelang.
Die Nervosität der Spieler war zu diesem Zeitpunkt schon groß. Ich dagegen wurde hofierte wie ein Star. Da die Schweizer gerne Dürrenmatt und Frisch spielen, ist eine lebende Autorin natürlich etwas Besonderes.

Dann, am 8. April 2005, die Premiere. Ausverkauft, über 200 Leute. Ein grandioses Bühnenbild! Viele Lacher, oft spontaner Applaus und Szenenapplaus nach jeder der 30(!) Szenen.

In der Pause, auf dem Klo die Kommentare belauscht. Man amüsiert sich, ist beeindruckt, unterhält sich prima!
Erleichterung.

Zum Schussapplaus darf ich mit auf die Bühne. Ein herrlicher Moment, und ich bedaure nur, meine Amateurschauspielerei frühzeitig mangels Talent aufgegeben zu haben.
Die Premierenfeier im bizarr dekorierten Foyer dauerte denn auch länger als das Stück.
Ach, übrigens... alle zwölf Aufführungen sind in schwyzerdütsch! Da ich aus Süddeutschland stamme, konnte ich zum Glück das meiste verstehen. Und ansonsten sprachen die Bilder.


Theatergesellschaft Malters

Die kalte Sophie hält uns den Spiegel vor

In 30 Szenen zeigt die Theatergesellschaft Malters „Die Kalte Sophie“: Witzig, ironisch und richtig gruselig bis zum Schluss.

Erst hat sie die Leser das Gruseln gelehrt, jetzt unterhält sie das Theaterpublikum: Die deutsche Krimiautorin Susanne Mischke konnte am vergangenen Freitagabend den erfolgreichen Bühnenstart ihrer „Eisheiligen“ selbst erleben.
„Die Kalte Sophie“, Hauptfigur und Titel der Bühnen- und Mundartfassung, liess kaum jemanden kalt auf der randvollen Zuschauertribüne. Sophie, Trägerin des Bösen Blicks, steht im Zentrum der unheimlichen Ereignisse, die einer ganzen Region das Gruseln beibringen. Unliebsame Menschen werden tot aufgefunden oder verschwinden spurlos. Wer oder was steckt dahinter?

Erfrischend unzimperlich

Der mit viel Witz und Ironie gespickte Krimi hält der Gesellschaft den Spiegel vor, von der Theatergesellschaft erfrischend unzimperlich präsentiert. Fast jeder hat da verdeckte Makel, Macken und Geheimnisse, Süchte und Sehnsüchte, die im Verlauf der Ereignisse ans Licht kommen; fast jeder hat einen unbequemen Mitmenschen im Visier.

 

Regisseur Jean-Paul Anderhub, der zusammen mit Filmarchitekt Rolf Engler (Bühnenbild) und Barbara Medici-Koch (Kostüme) die zweieinhalbstündige Aufführung gestaltete, hat den Lesestoff für die Bühnenfassung in 30 Szenen gegliedert.Die Umbauequipe ist ständig im Einsatz, um die Schauplätze einzurichten. Mit sich mehrenden Unglücksfällen steigt auch die Spannung, Einzelbiografien fügen sich zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammen, die Zahl der Verdächtigen und die Tatmotive erschweren den Durchblick.

Vielseitiges Rollenspektrum

Gegen 20 Schauspieler der Theatergesellschaft Malters erwecken die Figuren zum Leben oder begleiten das Spiel als mystische Randfiguren mit unheimlich tönendem Sound. Das vielfältige Rollenspektrum rund um die Titelfigur (gespielt von Helen Theiler) gibt allen Gelegenheit, ihre Talente einzusetzen. Die Zuschauer tun gut daran, sich einen Rest Nervenstärke bis zum Schluss zu bewahren: Dann wird’s so richtig gruselig.

Eva Roelli in Neue Luzerner Zeitung, 11. April 2005