„Warum haben Sie Ihren Mann denn nicht vermisst gemeldet?"

„Weil ich ihn nicht vermisst habe."

Sophie ist eine ganz Stille — aber stille Wasser sind bekanntlich tief. Sie besitzt viele Talente, z. B. die Gabe, mit ihren Kleiderkreationen farblose Nachbarinnen in echte Schönheiten zu verwandeln, oder auch, ihren Mitmenschen erfolgreich den Tod zu wünschen. Mit Sophie Kamprath hat Susanne Mischke eine Frau geschaffen, die mit Phantasie und Eigensinn durchs Leben geht. Ihre Geschichte voll Witz und Bosheit verspricht kurzweiliges Lesevergnügen.

Die Eisheilige wurde unter dem Titel „Die kalte Sophie" in der Schweiz als Theaterstück inszeniert und aufgeführt und unter dem Titel „Hexenküsse" 2005 vom ZDF verfilmt..

 

Die Eisheilige

Taschenbuch

304 Seiten

ISBN: 978-3492271981

München: Piper

1998/2012


Meinungen

WDR 2. Crime-Time, 14.07.2000, vorgestellt von Elke Schiedek
Unterhaltsam, boshaft, nachdenklich, kurzweilig und spannend

Worum geht's? Um ein salbeigrünes Kleid, dreizehn geknickte Rosen, die Inkontinenz einer später friedlich verstorbenen Frau sowie die Frage, was das alles mit Sophie Kamprath und mehreren Leichen zu tun hat. Die Kripo wüßte das jedenfalls sehr gerne. Schade, dass die Beamten so wenig vom Tratsch der Nachbarinnen mitbekommen. Denn die hätten da eine interessante Antwort.

Hauptdarsteller: Sophie Delp, verheiratete Kamprath. Sie ist zwar mit fast einsachtzig und Schuhgröße 42 eine imposante Erscheinung, an sich aber eher still. Ehemann Rudolf – ein Oberstudienrat, der zuhause den Kotzbrocken gibt – schätzt ihre Unterwürfigkeit. Bis zur Heirat ist Sophie eine begnadete Tierpräparatorin. Als Ehefrau darf sie wenigstens noch für die Nachbarschaft nähen. Die liebt ihre kühnen Kleider-Kreationen und ihre vermeintliche Fähigkeit, störenden Zeitgenossen den Tod herbeizuwünschen.

Nebendarsteller: Dorothea „Dotti" Weinzierl, abergläubisch und hauptberuflich Nachbarin! Sie hat von ihrem Fenster aus alles im Blick – auch Sophies Nähzimmer. Axel Kölsch – Sophies Anwalt. Ihm werden von Tag zu Tag die Frauen unheimlicher, die ihn umgeben. Zum Beispiel seine Chefin Karin Mohr. Zum Beispiel Kriminal-Oberkommissarin Claudia Tomasselli. Privat hat sie ein Auge auf Axel geworfen. Dienstlich findet sie, daß es ein paar Leichen zu viel in Sophies Umgebung gibt.

Schauplatz: Eine ruhige Straße in einem gediegenen Stadtviertel mit gepflegten Häusern und gepflegten Gärten. Auch der Tratsch wird gepflegt. Dass es Darmstadt ist, tut nichts zur Sache. Aber Sophies spezielle Gabe, die ist für manche Nachbarin besonders interessant.

Dialoge: Viel Tratsch außerhalb des Treppenhauses. Gerne auch mal beim Kaffee. Leser, die hinhören, erfahren manches eher als die Kripo.

Gruselfaktor: Immer wieder fröstelt es beim Lesen, und das nicht etwa, weil die Geschichte im Winter passiert.

Herz-Schmerzfaktor: In Liebesdingen muß die Polizei schon mal nachfragen. Zum Beispiel: Warum hat Sophie ihren Mann nicht vermißt gemeldet? Die Antwort: Weil sie ihn nicht vermißt hat!

Fazit: „Die Eisheilige" von Susanne Mischke bietet eine ungewöhnliche Mixtur. Unterhaltsam, boshaft, nachdenklich, kurzweilig und spannend. Wir erfahren viel über das Zusammen- oder Nebeneinanderleben von Menschen: als Ehepaar, Liebende, Nachbarn, Geschwister oder Kollegen. Alle Figuren sind mit sehr viel Liebe und dezentem Witz gezeichnet, selbst die Kotzbrocken. Aber die Sympathien gehören eindeutig Sophie. Und wir lernen wieder einmal, daß ein guter Krimi erst auf der letzten Seite endet, egal, wie viele Täter vorher ermittelt wurden.

Brigitte
Ein richtig schön gemeiner Roman.

… Sophie, vom Gatten unterdrückt, beginnt sich zu emanzipieren. Und dabei fällt, wie öfter mal, wenn Frauen immer klüger werden, die eine oder andere Leiche an.

RADIO BERG BUCHTIP. Sendedatum: 14.03.1999 in Treff nach Neun
Voller Witz und Bosheit

Pankratius, Servatius, Bonifatius und die „kalte Sophie"- das sind die sogenannten Eisheiligen. Wenn der Frühling schon mal bei uns reingeschaut hat, kommen Mitte Mai nocheinmal ein paar kalte Tage. Und so manches zarte Pflänzchen fällt dem Frost der Eisheiligen zum Opfer. Vielleicht hat Autorin Susanne Mischke daran gedacht, als sie ihren Krimi „Die Eisheilige" genannt hat. Die Hauptperson heißt nämlich Sophie!

Voller Witz und Bosheit beschäftigt sich Susanne Mischke in ihrem Roman „Die Eisheilige" mit den Untiefen der Ehe und den Rachegelüsten der Ehefrauen. Mit spitzer Feder karikiert sie die spießige Nachbarschaft, die nur zu schnell bereit ist, von Sophie das Schlimmste anzunehmen. Ein fesselnder Kriminalroman, dessen untergründige Spannung ihn bis zum unerwarteten Ende lesenswert macht.