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über Susanne Mischke zu lesen.
Rezensionen zu den einzelnen Büchern finden sich bei
Bücher. |
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| DAS
MORDS-WEIB
BILD-Besuch bei Krimi-Autorin
Susanne Mischke in Holtensen
Warum hat eine so schöne Frau nur Leichen im Kopf?
Die Lady hat doch bestimmt Leichen im Keller ... Falsch: Bei
Krimi-Star Susanne Mischke liegen die Leichen in der Küche
- Tauben, Enten, Wildkaninchen, fürs Schlepptraining
mir Griffon-Jagdhund "Bruno".
Das idyllische Dörfchen Holtensen am Deister. Im Hückedal,
zwischen Bauernhöfen und Kirche, wohnt ein echtes Mordsweib.
Blondes Haar, blaue Augen, blitzgescheit (Systemanalytikerin)
mit brillanten Geschichten im Kopf. Vorm kuscheligen, roten
Klinkerhaus wachen grimmige Gargoyles, in der Bibliothek stapeln
sich blutige Stories.
Zum Schreiben braucht sie Milchkaffee und Mord(s)lust. Dann
hackt sie im Arbeitszimmer mit zarter Hand harte Geschichten
in den Computer.
"Mordskind", "Die
Eisheilige", "Die Mörder,
die ich rief" - Susanne Mischkes Romane sind Kult.
Über 300.000 Bücher verkauft, übersetzt in
Holländisch, Portugiesisch, Chinesisch. Warum nicht mal
eine Liebesgeschichte? Susanne: "Mord und Verbrechen
geben eben die gewisse Würze!"
| Hier
wird morgens bei Milchkaffee gemordet: Krimi-Königin
Mischke in ihrem hellen Arbeitszimmer. |
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Grauen aus der guten Stube: Ihr neuer Crime-Coup "Wölfe
und Lämmer" (Januar 2005) spielt in der Region
- zwischen Holtensen, Linderte, Linden. Alle Akteure natürlich
frei erfunden. Na, ja fast ... bis auf die Schweine aus der
Nachbarschaft. Die braven Holtenser Borstenviecher mutieren
zu gierigen Leichen-Fressern: |
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"Schon makaber, aber das bietet sich
hier einfach an."
Auch unheimliche Wölfe spielen eine wichtige Rolle. Für
die Idee stand Mischkes Hund "Bruno" Pate. "Wenn
samstags in Holtensen die Sirene losgeht, heult er wie ein
Wolf. Da wird’s mir ganz mulmig ..." Geheult, getan
- und schon Wölfe im Buch. Auch die Folterschule von
Hildesheim ist Thema: "Machmal holen mich die Ereignisse
beim Schreiben ein."
Die Mischke kann’s mächtig krachen lassen. Unfall-Inferno,
Flammen-Hölle - beinharte Drehbücher der Action-Serie
"Alarm für Cobra 11 -
Die Autobahnpolizei" aus ihrer Feder. Die Krimi-Expertin
verrät ein Geheimnis: "Meine Freundin Iris Ana Otto
und ich haben die Crash-Szenen auf dem Tisch mit Matchbox-Autos
gestellt und uns manchmal fast vor Lachen in die Hosen gemacht."
"Tulpen aus Amsterdam" - die erste Action-Folge,
die in einem Altenheim spielt. Das würdigte sogar Harald
Schmidt in seiner TV-Show...
Gibt’s Krimi-Kritik von Ehemann und Sohn (15)? "Nee,
die akzeptiere ich nicht. Meinen Mann bitte ich eher um Rat.
Neulich hab ich beim Schreiben eine ganze Beerdigung verdreht,
weil ich die Abläufe nicht genau kannte. Das hat er dann
gerade gerückt." Und schmunzelt. "Und wenn’s
ums Sterben geht, frage ich ihn schon mal - schließlich
ist er Mediziner."
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Gut bewacht:
Die Krimi-Autorin zwischen grimmigem Gargoyle und ihrem
braven Hund "Bruno" vor'm Haus in Holtensen. |
Bei allem Erfolg bleibt die Krimi-Königin bescheiden.
Mit Auszeichnungen (u.a. Lichtenberg-Preis und Frauen-Krimipreis
"Agathe") geht sie praktisch um: "Agathe wiegt
fast 3 Kilo, kann perfekt als Briefbeschwerer für abgelehnte
Manuskripte oder als Mordinstrument eingesetzt werden."
Früher stand sie auf Rampenlicht, schauspielerte: "Meine
erste Rolle war die Leiche in Dürrenmatts Physiker"...
Heute mehr Ruhe als Rummel: "Ich möchte, dass die
Leute lieber meine Bücher kennen als mich."
P.S. Star-Autorin Susanne Mischke live: Heute bei "Kriminopolis
1." Da lesen Autoren des Syndikats aus ihren Werken.
Tatort: Kanapee, Edenstraße, 20 Uhr.
BILD Hannover, 01.10.2004 - Die BILD-Reportage
von Stefanie Ohlendorf
Alle Fotos in diesem Artikel von Harald Fratzer. |
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Die Befragungen der "Alligatorpapiere"
sind schon fast legendär:
Alligatorpapiere:
Befragung Susanne Mischke |
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Mörder sind Schweine
Susanne Mischkes neuer Krimi spielt
am Deister – und kommt in die HAZ
Das Geheimnis? Dranbleiben, einfach dranbleiben. Weitermachen,
auch wenn die Lust fehlt und die Zeit und sich das Geschirr
in der Küche stapelt. Susanne Mischke hat sich für
das Schreiben entschieden. Vor etwa zehn Jahren war das.
Damals
lebte sie noch nicht in Holtensen bei Wennigsen, sondern im
Allgäu. Sie hatte ihr Studium der Betriebswirtschaft
beendet, geheiratet, ein Kind bekommen. Und als ihr damals
mit dem Kind allein zu Haus die Tage ein bisschen lang wurden,
da hat sie beschlossen, ein Buch zu schreiben. Und das hat
sie dann einfach gemacht. Jeden Morgen hat sie sich ein paar
Stunden an den Schreibtisch gesetzt, Geschirr, Waschmaschine
und Telefon wurden ausgeblendet. "Sobald das Kind schlief,
saß ich am Computer", sagt sie. Nach neun Monaten
war es geschafft. Das erste Buch war fertig. "Stadtluft" hieß es, es war kein Krimi, sondern ein junger, frecher
Berlinroman. Aber kein Verlag wollte ihn haben.
Viele Schriftsteller geben an diesem Punkt auf. Susanne Mischke
aber hat weitergemacht. Sie hat sich überlegt, dass sie
als Lektorin wahrscheinlich auch keine Lust hätte, sich
durch Stapel dicker Manuskripte zu quälen. Dann hat sie
ihren Roman zu einem kurzen Exposé zusammengefasst
und das an die Verlage verschickt. Mit Erfolg. Drei Verlage
zeigten Interesse und forderten das ganze Manuskript an. Mit
dem Piper Verlag wurde Susanne Mischke einig. Und bei ihm
ist sie jetzt immer noch, neun Romane und einige Anthologien
später.
Ziemlich schnell hat sie sich auf das Krimi-Genre festgelegt.
"Ich habe gemerkt, dass ich mich in dieser Form sehr
wohl fühle", sagt sie, die Regeln des Krimis liegen
ihr, "am Anfang dachte ich, das schränkt mich ein,
aber das stimmt nicht. Ein Spiel ohne Regeln macht ja auch
keinen Spaß".
Susanne Mischke beherrscht die Regeln des Krimischreibens
sehr gut — und hat beachtlichen Erfolg damit. Mit ihren
intelligenten Krimis hat sie sich eine Fangemeinde erschrieben,
der Verlag pflegt ihre Werke gut — und bringt gern auch
mal ältere Texte in neuen Reihen heraus. Zwei Romane
hat das Fernsehen gekauft, mit der Umsetzung des ersten, "Mordskind",
war sie nicht so zufrieden. Irgendwann soll auch "Die
Eisheilige" verfilmt werden, die Filmrechte sind
bereits verkauft. "Ob ich mir das dann anschaue, weiß
ich noch nicht", sagt sie.
Ihr neuer Krimi heißt "Wölfe
und Lämmer" und spielt dort, wo die Autorin
heute lebt: am Deister. Mit ihren Mann, einem Kardiologen,
der in Hannover arbeitet, ist Mischke, die in Kempten geboren
wurde und lange in der Nähe von Darmstadt gelebt hat,
vor zwei Jahren nach Holtensen gezogen. Nicht weit von ihrem
Haus, einem Neubau mit hohen Fenstern, heller Diele und einem
Strandkorb im Garten, liegt ein großer Bauernhof. Wahrscheinlich
hat der Modell gestanden für ihr jüngstes Werk. |
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Der neue Mischke spielt auf einem Gutshof am Deister.
Das Gut gehört einer kuriosen Land-WG. Ein Fernsehrichter
wohnt hier mit seiner Freundin sowie einem alten Freund, der
gern Schriftsteller wäre, und einer geheimnisvollen Frau,
die Wölfe mag und nachts durch die Wälder streift.
Es geht natürlich um Mord, und Schweine spielen eine
ganz besondere Rolle. 
Das ist unheimlich, manchmal auch witzig, oft spannend und
immer gut recherchiert. (Bis auf die eine Stelle, an der es
heißt, dass ein Artikel, der erst im "Hamburger
Abendblatt" stand, einen Tag später in gekürzter
Form in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zu lesen ist.
So etwas kommt nie vor. Nie!)
Susanne Mischke versteht es, interessante und glaubwürdige
Charaktere zu entwickeln und dramatische Situationen zu erfinden.
Sie hat eine Schwäche für schwache Frauen, die dann
doch Stärke beweisen. Frauen im Schatten erfolgreicher
(und verbrecherischer) Männer, Frauen, die unter der
Untreue ihrer Männer leiden, gelingen ihr besonders
gut. In ihrem Bretagne-Krimi "Das
dunkle Haus am Meer" hat sie diesen Typ sehr schön
beschrieben; auch in "Wölfe
und Lämmer" taucht er wieder auf.
Ihr nächstes Buch befindet sich noch in der Planungsphase.
Auch hier soll die Abhängigkeit einer Frau vom Mann wieder
eine große Rolle spielen. "Es wird eine Psychogeschichte
werden", sagt Mischke. Die Liebe einer gutbürgerlichen
Frau zu einem Mann, der im Gefängnis sitzt, soll eine
wichtige Rolle spielen. Mischke weiß noch nicht genau,
wie die Geschichte ausgehen wird, sie ist erst bei der Recherchearbeit.
Auf das Thema gekommen ist sie durch die "Criminale",
einem großen Krimi-Festival. Solche Festivals sind für
Autoren oft ebenso nützlich wie die Arbeit in Netzwerken.
Eines pflegt Susanne Mischke besonders: die "Sisters
in Crime". Sie ist die Vorsitzende dieser Vereinigung
von Krimiautorinnen. Hier kann man sich per Mailliste schnell
Rat holen, wenn man etwa wissen will, wie Tote nach einer
Kohlenmonoxidvergiftung aussehen oder wie lange es dauert,
bis nach einem Lungenschuss der Tod eintritt. Manchmal hilft
das Syndikat der verbrecherischen Schwestern auch, wenn die
Handlung nicht recht vorankommen will. Aber das Wichtigste
in so einem Fall bleibt natürlich: dranbleiben.
"Wölfe und Lämmer",
der neueste Krimi von Susanne Mischke, kommt erst im Januar
2005 in den Buchhandel. Bereits vom 3. September an wird die
Geschichte täglich als Fortsetzungsroman in der HAZ zu
lesen sein.
Hannoversche Allgemeine Zeitung, 28.08.2004,
S. 8. Ronald Meyer-Arlt |
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Susanne Mischke verbreitete zwischen ankommenden
und abfahrenden Zügen morbide Stimmung.
Mord
zwischen zwei Zügen
Kriminalschriftstellerin Susanne
Mischke las auf Bahnsteig 1 des Gießener Bahnhofs
"Erschießen war ihm eindeutig zu gewalttätig,
erhängen und ertränken erschienen ihm zu unsicher."
Was zunächst klingt, wie die Überlegungen eines
Mörders der gleich zur Tat schreiten will, entpuppt sich
als Planung eines Freitodes.
Susanne Mischke, ausgezeichnet
mit dem Frauenkrimipreis 2001 und Autorin einiger Kriminalromane
mit ausgesprochen morbiden Themen, lässt in ihrem neuesten
Buch "Das dunkle Haus am Meer"
(Piper Verlag, München, 2004, Taschenbuch, 8,90 Euro)
auch morden. Auf Einladung der Bahnhofsbuchhandlung Wißner
las die Autorin auf dem Bahnsteig 1 des Gießener Bahnhofs.
Schauplatz des Romans ist nicht etwa ein Bahnhof, wie man
bei dem ungewöhnlichen Lesungsort annehmen könnte,
sondern die Bretagne. Helens Mann Paul ist im Mordfall an
einer jungen Frau "aus Mangel an Beweisen" frei
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worden. Im Ferienhaus des Ehepaares wollen sie Abstand
von der Geschichte gewinnen, als plötzlich eine Leiche
im Garten liegt und Helen sich fragen muss, wie gerechtfertigt
dieser Freispruch wohl war. Zwischen ankommenden und abfahrenden
Zügen las Mischke gut gelaunt aus ihrem Buch, häufig
unterbrochen von Lautsprecherdurchsagen. Mehr als vierzig
Zuhörer hatten auf Bänken trotz des kühlen
Wetters Platz genommen. Sie lauschten, soweit das möglich
war den Überlegungen des Richters zu seinem geplanten
Freitod und den Gesprächen zwischen Paul und Helen, die
ebenfalls um Freitod kreisen, dann aber den Mord und schließlich
das gestörte Verhältnis zwischen den beiden thematisieren.
Um nicht zu viel zu verraten, wechselte Mischke nach einer
halben Stunde das Buch und stellte dem Publikum noch das neueste
Abenteuer ihrer Serienfiguren vor, die sie vor zwei Jahren
in die literarische Welt geschickt hat. In "Die
Mörder, die ich rief" (Piper Verlag, München,
2003 7,90 Euro) ermitteln Kommissar Vincent Romero und seine
Assistentin Antonie Benningsen im Todesfall eines Chefarztes,
der vor den Augen der Polizisten im See eines noblen Golfplatzes
versinkt. Nach gut einer Stunde endete die Lesung und Mischke
signierte den Krimifans noch bereitwillig ihre Bücher.
Gießener Anzeiger, 19.10.04.
Artikel und Foto:© Klaus Frahm |
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Die mörderische Schwester
Kinder, die ihre Hamster töten, Friedhofsgärtnerinnen
und golfende Seniorinnen mit sehr hartem Schlag bevölkern
den Krimikosmos der Susanne Mischke.
Neulich wieder. Literaturfestival mit Podiumsdiskussion zum
zeitgenössischen deutschsprachigen Kriminalroman. Die
Diskutanten: Krimiautoren. Geschlecht: männlich. Mit
einer Ausnahme: "Das "–innen" hinter
den Autoren durfte ich mal wieder allein vertreten",
sagt Susanne Mischke. Das ärgert sie. Schließlich
verspüren Leserinnen wie Schreiberinnen durchaus Lust
am literarischen Morden. Doch mag der Frauenkrimi auch boomen
— wenn es um Lob und Preis geht, dominieren die Herren.
Gerade einmal vier der 32 seit 1987 mit dem deutschen Krimi-Oskar
"Glauser" geadelten Literaten sind weiblich.
Sisters in Crime — mörderische Schwestern — heißt der
Verein, mit dem Susanne Mischke solche Missstände ändern
will. Mischke ist Präsidentin der kriminellen Damen.
Größen wie Ingrid Noll und Bella Block-Erfinderin
Doris Gercke gehören zu ihren 250 deutschen Mitschwestern,
wie auch Lektorinnen, Drehbuch-Schreiberinnen und Autorinnen,
die (noch) nicht von ihren Krimis leben können. Erklärtes
Ziel: Mehr Anerkennung für den Frauenkrimi, mehr Detektivinnen
und weniger weibliche Leichen.
Susanne Mischke serviert Weißwein. "Der Austausch
mit den anderen ist wichtig", sagt sie. "Als ich
zu Schreiben begann, kannte ich überhaupt keine lebenden
Autoren." Dabei sei gerade der Austausch in exklusiver
Damenrunde so nett. Mischke lächelt freundlich und zwirbelt
an ihrem Blondhaar. "Männer ziehen viele Diskussionen
unnötig in die Länge". Im Kriminetzwerk "Syndikat",
wo Autoren beiderlei Geschlechts Mitglied sind, gebe es "einfach
zu viele Hähnchenkämpfe".
Austernpilze oder Maiskölbchen zum Fisch? Noch etwas
Weißwein? Lebensgefährte Gunter gesellt sich dazu,
er versprüht unaufdringlichen Lausbubencharme und zündet
Kerzen an. Seit einigen Monaten lebt das Paar mit Susanne
Mischkes Sohn in einem Haus "mit großem Keller"
auf dem platten Land bei Hannover. Das Setting — durchaus
idyllisch — könnte eine prima Vorlage für
jene Art Literatur sein, in der sich die Heldin — notfalls
über Leichen gehend — vom Singledasein in den Hafen
der Ehe oder vom Ehemann zum Liebhaber manövriert, doch
das ist nicht das, was Susanne Mischke interessiert. Ihre
Stärke liegt darin, ganz genau hinzugucken. Die Protagonistinnen
in ihrem Krimikosmos sind vom Leben — und oft auch von
den Männern — Gebeutelte, die trotzdem irgendwie
über die Runden kommen. Ein Happy-End mit Liebesglück
gibt es für sie hingegen selten, egal ob es sich um eine
Friedhofsgärtnerin mit Vergangenheit handelt, um eine
verschüchterte Tierpräparatorin, deren "Lächeln
in einem nervösen Mundwinkelzucken verschwindet"
oder — neuerdings — um eine schlaksige Kommissarin
mit Friseur-Tick und romantisch-aussichtslosem Faible für
den Ex-Chef.
Dass Susanne Mischke als Erzählzeit fast immer das Präsens
wählt, konzentriert ihre teils bitterbösen, teils
wortwitzigen Blicke auf die Gesellschaft noch mehr.
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"Ihre klare, dichte Sprache vermeidet jedes Klischee",
lobte die Festrednerin, als sie Susanne Mischke 2001 den Wiesbadener
Frauenkrimipreis "Agathe" überreichte.
Ihr schwarzer Humor ist ein weiteres Merkmal, das Fans an
Susanne Mischkes Literatur schätzen. Und auch im richtigen
Leben macht die mörderische Präsidentin gern Späße.
Die Unterlagen für ihre Lesungen verstaut sie in einem
Plastiksack für Leichenteile. Schwarz ist der und hat
einen Reißverschluss, durch den nichts auslaufen kann.
Nicht, dass ihre Unterlagen tropfen würden, aber der
Sack ist eben ein echtes Original vom FBI. O-Ton Mischke:
"Macht sich doch sehr schön für eine Krimiautorin."
Versteht sich von selbst, dass all ihre Heldinnen handfeste
Macken haben. Selbst Kinder sind nicht vor ihrer spitzen Feder
sicher. "Mordskind",
ihr persönlicher Bestseller, der sich rund 50.000 Mal
verkaufte, erzählt von einem Fünfjährigen,
der seinen Hamster ermordet und überhaupt so garstig
ist, dass seine Mutter sich freudig ein Ersatzkind besorgt,
als er verschwindet. Der Abgrund lauert überall. "Hallo
Tina, hier ist Jo aus Köln", beginnt die Zuschrift
auf die Kontaktanzeige, die Kommissarin Antonie Bennigsen
hoffnungsvoll ins Internet stellt. "Ich bin Ingenieur,
39 Jahre jung, 1,84 groß und wiege 80 kg. Man sagt,
dass ich recht passabel aussehe. (...) Die Partnerin stelle
ich mir in Bettstiefeln, Body (im Schritt offen) und dazu
armlange Handschuhe vor."
" Das muss, das muss unbedingt!" hat sich Susanne
Mischke gesagt, als sie ihren Romanerstling in den Computer
hackte. 1990 war das und sie war gerade Mutter geworden. Sobald
ihr Sohn schlief, hat sie alles stehen und liegen gelassen
und geschrieben. "Die Leute um mich rum haben natürlich
gesagt, 'jetzt ist sie völlig übergeschnappt'."
Aufgegeben hat sie trotzdem nicht. Zog mit ihrem ersten Mann
an die Bergstraße bei Darmstadt, überstand eine
Scheidung, schlug sich so durch. Inzwischen kann sie vom Schreiben
leben. Ein Buch pro Jahr schafft sie, Morgen für Morgen,
wenn Lebensgefährte und Sohn das Haus verlassen haben
und der Hund — eine würdevoll alternde, mittelgroße
Promenadenmischung — ausreichend Gassi geführt
worden ist. Ihr Computer balanciert auf einem antiken Holzschreibtisch,
eine große Tasse Milchcafé ist die Einstiegs-Schreibdroge.
Warum schreibt sie ausgerechnet Krimis? "Ich stamme aus
dem Allgäu. Das ist der ideale Ort, um einen Knacks fürs
Leben zu bekommen", schnoddert sie auf ihrer Homepage.
Außerdem gibt es diese wunderbaren Recherchen. "Neulich
habe ich einen Job für meine neue Hauptfigur gesucht
und eine Sister hat mir erzählt, dass sie mal an der
Uni Süßwasserpolypen gezüchtet hat. Ich habe
gleich im Internet nachgesehen. Denen wachsen ständig
Köpfe nach!" Susanne Mischke grinst. "Apropos.
Ich überlege im Moment, ob ich für meinen Leichensack
vor der nächsten Lesung so einen abgeschnittenen Plastikfinger
kaufe. Der würde sich doch gut machen."
Kölner Stadt-Anzeiger "Moderne
Zeiten"
7./8.12.2002: © GISA KLÖNNE - www.gisa-kloenne.de
Nachdruck nur mit Genehmigung |
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Wenn das Syndikat sich
trifft
Wer auf dem Weg in die Lindener Kneipe „Fiasko“
ist, fühlt sich schon ein wenig in eine Krimi-Szenerie
versetzt: Die Wilhelm-Bluhm-Straße ist eng und dunkel.
Man muss an einer Reihe geheimnisvoller Häuserecken und
Hofeingänge vorbei, ehe man durch den Garten das Innere
der Kneipe erreicht. Kein Wunder, dass sich die hannoverschen
Krimiautoren diesen Ort für ihre regelmäßigen
Treffen ausgesucht haben. Sie nennen sich „Das Syndikat“,
sitzen dort bei Weizenbier und Cola, und sprechen über
ihre Recherchen für die neuesten Werke.
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Recherche in
dunklen Ecken: Stephan Rykena, Karola Hagemann, Susanne
Mischke und Richard Birkefeld (von links).
Foto: © Orlowski
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Susanne Mischke (44), preisgekrönte Autorin
(„Das dunkle Haus am Meer“), erzählt von
ihrer freiwilligen Nacht im Sehnder Gefängnis vor zehn
Tagen. August Gödecke (65) war früher im Maßregelvollzug
einer Anstalt tätig, Karola Hagemann (43) ist im Landeskriminalamt
beschäftigt. „Jeder kann aus seinem Lebensbereich
viel mitbringen, was uns allen weiterhilft“, sagt Stephan
Rykena (53), Realschullehrer aus Wunstorf. Das hannoversche
Syndikat ist quasi die Regionalgruppe einer bundesweiten Vereinigung,
die 1986 vom „Tatort“-Autor Fred Breinersdorfer
(58) gegründet worden ist.
In einem Krimi, darin sind sich alle einig, könne man
das ganze Leben abbilden. „Ob Historie, Gesellschaftspolitik
oder die große Liebe – alles ist möglich“,
sagt Richard Birkefeld (53), der mit „Wer übrig
bleibt, hat Recht“ einen preisgekrönten Krimi aus
der NS-Zeit geschrieben hat. Alles in allem haben die elf
Syndikatler mehr als 400 000 Bücher verkauft. Und die
ein oder andere Idee zu den Büchern ist in dunklen Lindener
Ecken entstanden.
Hannoversche Allgemeine Zeitung,
09.11.2004
Artikel: hau. |
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